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Trust Technik - Hilfe für ein altes Pony in einer neuen Umgebung
Es ist heute schon 5 Tage her, seitdem Andrea und besucht hat - uns, das sind meine beiden alten Islandponys, mein Lebensgefährte und ich. Zusammen dürften wir so um die 200 Jahre alt sein. Mein alter Islandwallach Alfur ist vor 30 Jahren bei uns auf dem Hof geboren worden und das letzte Pferd unserer kleinen Herde, mit der wir den Großteil unseres Lebens auf unserem Isländer Pferdehof verbracht haben. Ende letzten Jahres ist unsere letzte Stute gestorben und der örtliche Tierschutzverein hat uns eine alte „ausgemusterte“ Zuchtstute aus einer Islandzucht vermittelt. Auli und Runa verstanden sich von Anfang an gut. Eine für die Stute schreckliche Silvesternacht ging einigermaßen glimpflich vorbei, dank der Ruhe, die ihr der alte Wallach, den nichts erschüttern kann, vermitteln konnte.
Ein Problem stellte sich schnell heraus: Runa kannte den täglichen Umgang mit Menschen gar nicht und möchte sich nicht anfassen lassen! Damit konnte und kann ich leben, dennoch gibt es Situationen, wie z.B. die notwendige Hufpflege, bei denen es nicht ohne Berührungen geht. Bei den ersten beiden Versuchen geriet das Tier in solch eine Panik, dass wir das Vorhaben abgebrochen haben. In der Folgezeit versuchte ich, sie vorsichtig an menschliche Berührungen zu gewöhnen. Notwendige medizinischen Behandlungen wie Zähne raspeln (unter Sedierung) und die tierärztliche Behandlung einer Schlundverstopfung, die Runa leider bekam, nahm sie mir nach meinem Gefühl sehr übel und ich merkte deutlich, dass ihr mir zu Beginn entgegengebrachte Vertrauen immer mehr bröckelte und sie nicht viel mit mir zu tun haben wollte.
Ich hätte jetzt aus dem üblichen Horsemanship-Wissens-Arsenal etliche Methoden aus dem Hut zaubern können, aber ich hatte das deutliche Gefühl, dass jede „dominanzgeprägte Horsemanship-Technik“ oder auch ein Desensibilisierungs-Training bei diesem ängstlichen und misstrauischem Tier fehl am Platz waren und fing an, mich nach anderen Methoden umzusehen.
Die Trust-Technik, die ich dann im Netz fand, fand ich sehr interessant und bevor ich über etwas urteile, möchte ich dazu erst von einem Menschen, der in dieser Sache qualifiziert ist, Näheres sehen und hören. Auf der Homepage von James French fand ich dann Andrea Brück als eine der deutschen Practitioner für Großtiere und ich machte einen Termin mit ihr.
Die Session war hoch interessant und Andrea führte uns sehr professionell und einfühlsam in eine „Begegnung der anderen Art“ ein. Sie erklärte die Abläufe und Grundregeln, nach denen die Trust Technik funktioniert und demonstrierte u.a., wie sie selber mit Runa und der Trust Technik arbeitete.
Runa entspannte sich sehr schnell und zeigte während der Session körperliche Reaktionen, die u.U. auch etwas über ihre gesundheitlichen Defizite aussagen. All das erklärte Andrea , auch auf was man während der Anwendung der Trust Technique achten sollte. Danach war ich selber an der Reihe und habe unter Anleitung versucht, meinem alten Pferdchen zu helfen, sich zu entspannen, indem ich versuchte, selber vollkommen ruhig im Hier- und Jetzt zu sein bzw. eine Haltung der freundlichen, liebevollen, nicht wertenden Wertschätzung einzunehmen.
Beim Nachgespräch saßen Andrea und ich noch im Paddock und die Ponys konnten sich frei bewegen. Mein alter Wallach, der bei Runa`s Session gleich mit eingeschlafen war, verteilte jetzt abwechselnd Schmuseeinheiten an uns Menschen - Runa hatte ich nicht im Blick, bis Andrea sagte, ich solle doch mal vorsichtig hinter mich blicken - und da stand Runa ganz still und entspannt, fast mit der Nase an meinem Rücken und als ich ihr die Hand hinhielt, leckte sie ganz freundlich daran, was mich sehr berührte.
Für mich persönlich hat sich diese Konsultation mit Andrea auf jeden Fall gelohnt - ich habe gesehen, wie Jemand, der in dieser Methode zu Hause ist, sie anwendet und habe die Hoffnung, dass ich auf diesem Weg weitergehen kann, um meinem alten Mädchen, die sicherlich traumatische Trennung von ihrer alten Herde, den übergangslosen Transfer in eine neue Umgebung und den für sie täglichen Umgang mit Menschen und deren Anwesenheit leichter zu machen und hoffe, dass sie noch ein artgerechtes und schönes Restleben hat, sofern das unter menschlicher Regie überhaupt möglich ist.
Bei aller sogenannter „Pferdeerfahrung“ , die ich mitbringe, bin ich doch sehr froh darüber, an der Stelle, an der ich sehr unsicher war, wie ich dem Tier und mir selber weiterhelfen kann, die kompetente Hilfe von Andrea bekommen zu haben und kann nur Jedem ans Herz legen, sich bei Bedarf Einblick in diese besondere Art der Beziehung zu seinem Tier zu gönnen.
Maria
